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Grundgedanken zur Hundeausbildung

                   

Ich bin eine leidenschaftliche Hundesportlerin und bilde Hunde für den VPG Bereich aus. Vorweg möchte ich schicken, dass ich grundsätzlich der Überzeugung bin, dass eine Hundeausbildung oder sachgemäße Hundeerziehung, sei es auch "nur" für das normale Zusammenleben von Mensch und Hund, ohne einen gewissen "Druck" und Zwänge gegenüber dem Tier nicht zu bewerkstelligen ist. Hierbei lehne ich auch diverse Hilfsmittel nicht ab, insofern sie konsequent und sachgemäß benutzt werden. Dennoch versuche ich, für den Hund negative Einwirkungen, in meiner Ausbildung auf ein Minimum zu begrenzen. Niemals erlernen meine Hunde eine Übung gänzlich über Zwang. Den Beginn einer jeden Übung gestalte ich spielerisch und versuche dem Hund immer die Wahl zwischen Erfolg und Misserfolg selbst zu belassen. So entsteht zwar auch ein gewisser "Druck", da der Hund ja stets bemüht ist, seine Position zu verbessern und an eine Belohnung zu gelangen, aber wir können beinahe ohne Konflikt als Team zusammenarbeiten und die Arbeitsfreude bleibt auf beiden Seiten erhalten. Hundeausbildung sollte nicht auf Angst und Zwängen basieren, sondern auf gegenseitigem Vertrauen und klarer Kommunikation.

Hierbei habe ich in der Vergangenheit oft auf den Clicker als positiven Verstärker zurückgegriffen. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich nie reines Shaping betrieben habe, da mir die Geduld hierzu fehlt. Mir diente der Clicker lediglich als positiver Marker um genau den richtigen Moment für die Bestätigung ab zu grenzen. Da ich aber auch gern und viel über Trieb und Spiel mit meinen Hunden arbeiten möchte und Übungen aus dem gemeinsamen Spiel heraus aufbaue, hatte ich hier oft "eine Hand zu wenig" um den Clicker zu betätigen. Um trotzdem eine klare Kommunikation herstellen zu können, benutze ich in letzter Zeit daher verbale Signale. Diese Idee stammt natürlich nicht von mir, sondern ich durfte sie mir im Laufe der Jahre bei verschiedenen Hundeausbildern ab schaun. So markiert für meine Hunde also z. B. ein JA eine fehlerfreie Arbeit, beendet die Übung und verspricht eine sofortige Bestätigung. Ein NEIN hingegen bedeutet, dass die Ausführung der Übung nicht korrekt war. Auch hier wird eine Beendigung der Übung signalisiert, es gibt keine Verbesserungsmöglichkeit und keine Belohnung. Ein GUT dient schließlich als Verlängerung einer Übung und zeigt dem Hund, dass sein Tun richtig ist und er auf dem Weg ist, an seine Belohnung zu gelangen. Allerdings muss er so lange warten bis die Freigabe erfolgt.

Ein JA ist also immer eine Garantie für Belohnung und markiert genau den richtigen Punkt. Es gibt mir Zeit die Beißrolle oder das Futter aus der Tasche zu kramen, denn der Hund weis genau, wann er das gewünschte Verhalten gezeigt hat und wird sich dies merken, auch wenn die Übung danach beendet wurde. Die Bestätigung erfolgt immer zum genau richtigen Zeitpunkt, Missverständnisse werden so nahezu ausgeschlossen.

Ein NEIN ist immer ein Abbruchssignal und kann nicht verbessert werden. Beim Aufbau einer Übung ist die Konsequenz hier lediglich keine Verbesserungsmöglichkeit und auch keine Belohnung. Später, wenn die Übung mit Sicherheit verstanden ist und dennoch nicht, oder nur unkorrekt ausgeführt wird, ist NEIN auch die Ankündigung für Korrekturmaßnahmen.

GUT dient uns als Verlängerung z. B. für eine Sitzübung. Nach Ausführung der Sitzübung erfolgt das GUT um zu signalisieren, dass der HF gesehen hat, dass der Hund die Übung korrekt ausgeführt hat, er aber noch warten soll und in dieser Position verharren bis zur Freigabe. Zu Beginn einer jeden Lernphase kann so der vielleicht etwas unsichere Hund bestätigt werden, ohne die Übung jedoch komplett auf zu lösen. Der Hund weis ganz sicher, dass sein Tun richtig ist und sieht freudig seiner Belohnung entgegen.

Mit dieser Grundlage erarbeite ich mit meinen Hunden jede Einzelübung, welche ich vorher in viele kleine Einzelübungen zerlege um ein leichteres und schnelleres Verständnis zu bekommen. Dies führt dazu, dass der Hund schnell und häufig bestätigt werden kann und so mehr Erfolge als Misserfolge zu verzeichnen hat. Dies spornt ihn an und steigert seine Arbeitsbereitschaft und die Motivation bei der gemeinsamen Arbeit. Jede Übungseinheit endet mit einem Erfolgserlebnis für den Hund, auch wenn das heißt vielleicht einen Schritt zurückgehen zu müssen. So erhalte ich einen aufmerksamen und arbeitsfreudigen Teampartner. Zu Beginn einer jeden Lernphase versuche ich die Umgebung möglichst ablenkungsfrei zu gestalten. Erst wenn eine Übung verstanden wurde variiere ich den Ort und Ablenkungen kommen nach und nach hinzu. Bei Bedarf werden hier dann auch kleine Rückschritte gemacht um dem Hund die Arbeit zu erleichtern.

Klare Kommunikation ist die Basis für alle drei Sparten. Ein Hund der nahezu konfliktfrei arbeiten kann, ist verlässlich und strahlt Arbeitsfreude aus. Ich sehe den Hundesport als einen Teamsport zwischen Hund und Hundeführer an. Allerdings muss natürlich klar sein wer wen führt. Ohne Korrekturmaßnahmen geht es nicht. Korrekturen müssen aber sofort und effektiv erfolgen. Ganz wichtig ist mir auch, dass der Hund zuvor die Übung komplett begriffen hat, die bevorstehende Korrektur also schon vorausahnen kann. Daher kündige ich solche mit einem NEIN deutlich vorher an. Korrigiert sich der Hund sofort , kann er der Einwirkung entgehen. So bleibt ihm immer die Wahl und eine klare Verständigung ist auch unter trieblicher Belastung gegeben.

So sind meine Grundgedanken zur Hundeausbildung. Ich bin keiner derjenigen die sich an Althergebrachtem festbeißen. Sprüche wie, "das haben wir vor 20 Jahren schon so gemacht und das ist gut so, " werdet Ihr von mir nicht hören. Vielmehr versuche ich mich jedes Jahr aufs neue fort zu bilden und sauge mit großem Interesse alles auf, was es so ausbildungstechnisch Neues gibt, um auf dem Laufenden zu bleiben. Mir macht es sehr viel Spaß neue Sachen aus zu probieren und meinen Hunden auch!

Ein guter Hund

Ein guter Hund ist ein Hund der zu seinem Hundeführer passt, mit dem es mir Spaß macht zu arbeiten und neue Sachen aus zu probieren. Ein guter Hund ist für mich auch ein Sporthund, geeignet für den VPG Bereich. Ein Hund der gern spielt, sich selbstsicher und temperamentvoll zeigt und auch eine gewisse Härte in sich birgt. Ich bevorzuge einen "Beutegeier" der für sein Leben gerne spielt und der auch in der Abteilung C für seine Beute alles tut und darum jeglicher Belastung trotzt. Meine Hunde müssen keine Killer sein.  Mir reicht es wenn sie hochbelastbar und sicher bei der Arbeit sind. Ich möchte einen Sporthund. Ein guter Hundeführer ist der jenige, welcher auch einen "schlechten" Hund zum Erfolg führen kann.